Quo vadis HOAI?

Quo vadis HOAI?

In seinem Urteil vom 04.07.2019 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass die Mindest- & Höchstsätze der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) nicht mit der Richtlinie 2006/123 der Niederlassungsfreiheit vereinbart ist. Der EuGH folgt somit der Empfehlung des Generalanwalts der EU M. Szpunar, der dies bereits am 28.02.2019 empfohlen hatte.

In den Medien wird dieses Ereignis bereits als “Independence Day” der deutschen Ingenieurbranche betitelt. Bei genauerem Hinsehen kann dieses historische Ereignis jedoch enorme Chancen bieten – ein Kommentar.

Die Mindestsätze dahin, kommt nun das Preisdumping?

Bisher stellte die HOAI immer auskömmliche Honorare für Planungsleistungen sicher. Wie sich die Abschaffung der Mindessätze auf ein einzelnes Büro auswirkt, wird vor allem mit dem Kundenstamm zusammenhängen. Sollten Sie einen hohen Anteil an wiederkehrenden Bestandskunden haben, wird sich die Pflege dieser Partnerschaften nun bezahlt machen. Hier bietet sich sicherlich die Möglichkeit, auf ein Weiter wie bisher zu hoffen.

Eine konträre Entwicklung ist im Privatkundengeschäft zu erwarten. Die Bauherren hier oftmals sehr Kostenbewusst sind und es eine klare Tendenz zum Vergleich mehrere Angebote gibt, erwarten wir gerade im Einfamilienhaus einen negativen Trend der Honorare. Zumal in diesem Segment auch mit bestehender HOAI oftmals Honorare unterhalb der verpflichtenden Grenzen vereinbart wurden.

Ein fundamentaler Einbruch der Honorarsummen ist jedoch nicht zu erwarten. Zwar gelten die Mindesthonorare nicht mehr – jedoch wird der Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage auskömmliche Honorare sicherstellen. Dies hängt vor allem mit den hohen Eintrittsbarrieren für Architekten und Ingenieure zusammen, sodass eine Überflutung mit zusätzlichem Angebot nicht zu erwarten ist. Ein kompletter Verfall der Honorarstrukturen ist somit nicht zu erwarten.

Partnerschaften auf den Prüfstand stellen

Sollten Sie oftmals als Generalplaner auftreten, werden Sie ggf. bestehende Partnerschaften mit anderen Planern hinterfragen müssen. Sollten Ihre Wettbewerbe hier in der Lage sein von den Kostenvorteilen Ihrer Partner zu profitieren, könnten Sie schnell ins Hintertreffen geraten. Vereinzelt kann es daher sinnvoll sein, sich für neue Partnerschaften zu öffnen, um einzelne Projekte zu akquirieren, ohne massive Einschnitte am eigenen Honorar vornehmen zu müssen.

Ist die HOAI in Ihrer Form noch gültig?

Viele Teile der HOAI werden auch weiterhin bestehen bleiben. Das Verfahren des EuGHs bezieht sich explizit nur auf die Mindest- und Höchstsätze. Andere fundamentale Bestandteile wie bspw. die Leistungsphasen werden auch weiterhin Bestand haben, da Sie sich als unerlässlich erwiesen haben. Die bestehenden Vertragsentwürfe können somit auch weiterhin ohne Bedenken verwendet werden. Lediglich um die Honorare muss in Zukunft wohl angeregter diskutiert werden, als dies bisher der Fall war.

Veränderung als Chance neue Wege zu gehen

Marktwirtschaftlich betrachtet ist eine Regulierung zunächst wenig sinnvoll. Sie führt dazu, dass das Innvoationspotenzial einer Branche nicht ausgeschöpft wird, da es keiner elementaren Veränderung Bedarf, um beispielsweise Effizienzgewinne zu erzielen. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt, dass die Innovationsausgaben der Architektur & Ingenieurbüros zwischen 2013 und 2017 durchschnittlich um 5% gesunken sind. Diese Entwicklung zeigt, dass staatliche Regulierung zu einer Bewahrung des status quo führt, was weder im Sinne der Architekten & Ingenieure noch im Sinne der anderen beteiligten in der Bauwirtschaft sein kann.

Da das vom EuGH gefällte Urteil als irreversibel gilt, ist das geeignete Mittel wohl eine neue Perspektive auf die Abschaffung der Mindest- & Höchstsätze zu entwickeln. Eine Öffnung des Markts und die damit verbundene Erhöhung des Wettbewerbs werden zwangsläufig dazu führen, dass auch die Digitalisierung verstärkt in den Fokus rücken wird. Unabhängig von der Entwicklung der Honorare, werden neue Ansätze notwendig sein, um Projekte effizienter zu gestalten. Während bei größeren Projekten die Relevanz von BIM ständig wächst, sind vor allem bei kleineren Bauprojekten neue Lösungen gefragt, da die Komplexität von BIM für kleinere Projekte unverhältnismäßig ist.

Wir bei Construyo entwickeln derzeit mit unseren mehr als 70 Partnerbüros eine innovative Lösung, genau diese Projektgrößen adressiert. Sollten Sie mehr erfahren wollen, melden Sie sich gerne unter info@construyo.de. Wir freuen uns über eine angeregte Diskussion.

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