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Was bedeutet nachhaltiges Bauen im Jahr 2022?

In Zeiten des Klimawandels steht das nachhaltige Bauen im Scheinwerferlicht wie nie zuvor: Emissionsarme Baupraktiken, grüne Rohstoffe und sparsame Energiekonzepte bestimmen heute Debatten und Baupläne. Das ist auch notwendig, denn laut des Umwelt Bundesamts tragen Gebäude in Deutschland ca. 30% zum Gesamtausstoß von Treibhausgasen bei. Die Zementindustrie allein ist für fast 10% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Wenn länderübergreifende Klimavereinbarungen wie das Pariser Abkommen von 2015 eingehalten werden sollen, muss sich hier schnell etwas tun. Und das ist auch der Fall: Mit dem frisch gegründeten Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gibt es erstmals seit 1998 wieder ein eigenes Ministerium für den Bereich Bauen und Wohnen, das sich unter anderem auch dem Thema der Nachhaltigkeit annehmen wird. Neue Gesetzesentwürfe auf nationaler und internationaler Ebene beinhalten strengere Schwellenwerte, Besteuerungen und Kontrollmechanismen. Auch dank der zunehmenden Digitalisierung sind klare Fortschritte zu erkennen. Wurden im Gebäudesektor im Jahr 1990 noch 210 Millionen Tonnen Treibhausgas ausgestoßen, waren es 2020 nur noch knapp 120 Tonnen. Das Ziel für 2030 liegt laut des aktuellen Klimaschutzgesetzes bei 67 Tonnen.

Wer sich die Sache einmal genauer ansieht, muss jedoch feststellen, dass das Thema der Nachhaltigkeit in der Baubranche so komplex ist wie nie zuvor. Vor dem Hintergrund globaler Ereignisse wie der COVID-19-Pandemie und des aktuellen Kriegs in der Ukraine zeigt sich, dass der Sustainability-Faktor – und somit die Zukunft des Baugewerbes – in großem Stil vom weltpolitischen Geschehen abhängt: Rohstoffe werden knapp, Lieferketten sind unterbrochen, Fachpersonal fehlt. Was also bedeutet nachhaltiges Bauen im Jahr 2022? 

Nachhaltiges Bauen – was ist das?

„Ziel des nachhaltigen Bauens ist der Schutz allgemeiner Güter wie Umwelt, Ressourcen, Gesundheit, Kultur und Kapital. Aus diesen leiten sich die klassischen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und soziokulturelle Aspekte – ab, an denen auch die Qualität von Gebäuden gemessen werden muss.“ 

So heißt es im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Verknappt gesagt geht es also nicht nur um den Schutz der Umwelt; auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren müssen in Einklang gebracht werden, um echte Nachhaltigkeit zu erreichen.

Dieses Ziel besteht nicht erst seit gestern. Wichtige Weichen wurden unter anderem 1987 gestellt, als im sogenannten „Brundtland-Bericht“ der Vereinten Nationen erstmals der Begriff der Nachhaltigkeit umfassend definiert wurde. Weitere Meilensteine waren die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 und der UN-Gipfel im Jahr 2015, in dessen Rahmen die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung entstand. Das aktuelle Klimaschutzgesetz in Deutschland geht noch einen Schritt weiter: Bis 2045 soll die Bundesrepublik klimaneutral werden. 

Der Bau- und Wohnsektor spielt bei all diesen Vorhaben eine große Rolle. Wie aber können die von Politik und Gesellschaft festgelegten Ziele hier umgesetzt werden?

Nachhaltigkeit im Bauprozess: Ressourcen schonen, mit Weitblick handeln

Die wohl offensichtlichste Stellschraube für mehr Nachhaltigkeit im Bausektor ist der effiziente Umgang mit Ressourcen. Wie klimafreundlich ein Rohstoff ist, hängt unter anderem davon ab, wie CO2-intensiv sein Abbau oder seine Herstellung ist und ob für seine Anlieferung lange Transportwege vonnöten sind. Ebenso fällt ins Gewicht, wie langlebig er ist, ob er recycelt oder wiederverwendet werden kann und wie aufwendig seine finale Entsorgung ist. Denn der wichtigste Faktor in der Nachhaltigkeit ist Weitsicht: Alle zu einem Bau- und Nutzvorgang gehörenden Prozesse müssen möglichst weit in die Zukunft gedacht werden. So bindet Holz beispielsweise eine große Menge an CO2, setzt diesen aber teilweise wieder frei, wenn es bei der Entsorgung verbrannt wird. Je länger Rohstoffe verwendet und wiederverwendet werden können, desto nachhaltiger sind sie. 

Am Beispiel Holz wird schnell klar, wie herausfordernd die Umsetzung nachhaltiger Bauprojekte in einer globalisierten Welt sein kann. Als nachwachsender, kohlenstoffbindender Rohstoff zählt Holz zu den klimafreundlicheren Ressourcen und wird gern und häufig in grünen Bauvorhaben eingesetzt.

Ein Teil des deutschen Holzbedarfs wurde bis vor kurzem durch Lieferungen aus Russland und der Ukraine gedeckt. Bereits 2021 setzte Russland allerdings ein Exportverbot für Holz in Gang; der Ukraine-Krieg führte nun zu einer weiteren Verschlechterung der Versorgungslage aus beiden Ländern. Das Resultat sind Lieferengpässe und schwindelerregenden Preiserhöhungen. Das Problem betrifft auch weniger nachhaltige Baustoffe wie Stahl und Bitumen, die bisher vorrangig aus Russland importiert wurden.

Der Rohstoff Holz sollte in einem forstreichen Land wie Deutschland eigentlich keine Mangelware sein – würde davon nicht mittlerweile ein recht großer Teil exportiert. Grund dafür ist eine globale Kettenreaktion. Als Folge von Schädlingsbefällen sowie nach Auseinandersetzungen mit der Trump-Administration erhob die kanadische Regierung hohe Zölle auf Holzlieferungen in die USA. Die Vereinigten Staaten begonnen daraufhin, große Mengen an Holz aus Deutschland zu importieren. Auch die Volksrepublik China kauft seit Russlands Exportstopp nun vermehrt deutsches Holz ein. 

Wer in Deutschland heute mit deutschem Holz nachhaltige Bauvorhaben umsetzen möchte, muss sich gegen die Kaufkraft chinesischer und US-amerikanischer Investoren durchsetzen. Nicht nur erschwert dieser Umstand grüne Bauprojekte in Deutschland, die Transportwege nach China und in die USA vergrößern auch den CO2-Fußabdruck der Holzwirtschaftsbranche. Rohstoffe nach Möglichkeit regional zu beziehen, gehört schon lange zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit; in der Umsetzung ist dies manchmal viel leichter gesagt als getan.

Vom Naturrohstoff zur Recycleware

Wie eng der Bausektor an klimapolitische Umwälzungen genknüpft ist, zeigt sich auch am Beispiel des Gipses. Dieser kann als natürlicher Rohstoff abgebaut werden, birgt allerdings Tücken in Bezug auf den Umweltschutz rund um die Abbaustätten. Im Baugewerbe wird deshalb seit einiger Zeit auf sogenannten REA-Gips zurückgegriffen: Er kann als Nebenprodukt durch die Entschwefelung von Gasen in Kraftwerken hergestellt werden und deckt mittlerweile ungefähr die Hälfte des Gipsbedarfs in Deutschland. Mit der Energiewende fallen jedoch mehr und mehr Kohlekraftwerke weg – und somit REA-Gipsproduktionsstätten, deren Herstellungsleistung zukünftig durch den zusätzlichen Abbau von Naturgips oder die Verwendung von Alternativstoffen aufgewogen werden muss. 

Das Dilemma gliedert sich nahtlos in die aktuelle Diskussion zur Nutzung von sogenannten Primärrohstoffen ein. Hierbei handelt es sich um Ressourcen, die im Gegensatz zu recycelten Sekundärrohstoffen neu abgebaut werden. Einerseits steht schon seit einer Weile die Besteuerung solcher Primärrohstoffe zur Debatte, um die Verwendung von Sekundärrohstoffen wettbewerbsfähiger zu machen. Andererseits gibt es in Deutschland erst seit Mai 2021 eine Verordnung, welche die nötigen Standards für die Herstellung und Verwertung mineralischer Recyclingbaustoffe einheitlich festlegt und rechtssicher macht. Hiermit sind nun die Grundlagen für eine bessere Kreislaufwirtschaft im Bauwesen geschaffen, die wiederum die Voraussetzung für positivere Ökobilanzen darstellt. Das „Urban Mining“ – der Bezug von Baustoffen aus dem Baubestand und laufenden Entsorgungsprozessen – eröffnet laut des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe deshalb wichtige Chancen für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. 

Darüber hinaus gibt es im Bereich der Materialforschung immer wieder vielversprechende neue Entwicklungen. So gerät beispielsweise Stroh als Bau- und Dämmstoff wieder mehr in den Fokus und hierzulande weniger bekannte grüne Materialien wie Hanfkalk werden zunehmend häufig verwendet. 

Anpassungsfähigkeit als Schlüssel für zukunftsorientiertes Bauen

Die Rohstoffeffizienz ist nur ein Teilaspekt des nachhaltigen Bauens, schließlich geht es vor allem darum, zukünftigen Generationen einen angemessenen Lebensraum zu hinterlassen. Weitblick ist deshalb in jeder Facette der Bauplanung gefragt. Der Altersdurchschnitt der deutschen Gesellschaft steigt immer weiter an. Nachhaltigkeit kann auch bedeuten, Gebäude zu entwerfen, die leicht an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen sind. Zudem verschärfen sich mit dem Klimawandel die Wetterbedingungen weltweit; was nach heutigem Wetterstand energieeffizient ist, kann in 20 Jahren bereits zu Problemen führen. Und auch die Covid-19-Pandemie hat neue Perspektiven aufgezeigt. Lag vor 2020 ein Trend in der Konzeption von ressourcenschonenden Gemeinschaftsflächen, müssen diese nun mit Blick auf Aspekte wie die Luftfilterung neu gedacht werden, um ernsthaft zukunftsfähig zu sein. Denn zur Nachhaltigkeit gehören nicht nur Überlegungen zu Wärmeverlust und Dämmmaterialien, Wassereinsparungen und Güterketten. Im Zentrum muss stehen, wie wir Menschen in Zukunft leben und interagieren. Weitsicht in der Bauplanung bedeutet deshalb vor allem Anpassungsfähigkeit: Baukonzepte sollten ohne großen Aufwand an eine Vielzahl von Umständen angeglichen werden können. Auch sollten sie sich sinnvoll in ihr Umfeld einfügen und Synergien mit anderen Gebäuden und umliegenden Infrastrukturen bilden.

Vielversprechende Entwicklungen im Bauwesen

Es gibt bereits eine Vielzahl an Trends im Bausektor, die Hoffnung auf eine grüne Zukunft machen. Dazu gehört beispielsweise das elementierte oder serielle Bauen. Bei dieser Modulbauweise, die im Prinzip nicht anders funktioniert als ein LEGO-Baukasten, können große Bauteile rohstoffschonend in Serie hergestellt werden. Auf der Baustelle werden sie einfach zusammengesetzt, weshalb dort weniger Fachpersonal benötigt wird. 

Auch die Digitalisierung trägt ihren Teil dazu bei, dass an vielen Stellen heute viel klimaschonender gearbeitet werden kann, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Mit der ConTech-Branche (kurz für „Construction Technology“) hat sich eine eigene Sparte im Technologiesektor gebildet, die den Herausforderungen des Bauens im 21. Jahrhundert mit technischen Lösungen begegnet. Künstliche Intelligenzen können heute den Fortschritt von Baustellen auf Basis von Videomaterial eigenständig bewerten. Mithilfe von detailgetreuen Computermodellen auf Basis des Building Information Modeling (BIM) können Planungen optimiert, Informationen vernetzt und Voraussagen getroffen werden. Smart Homes erleichtern es Gebäudenutzern, den eigenen Verbrauch zu überwachen und klimafreundliche Entscheidungen zu treffen. Einige Akteure der Baubranche versprechen sich auch durch den Ausbau des 5G-Netzes große Verbesserungen. Informationen könnten damit in Echtzeit von Baustellen übertragen, Prozesse überarbeitet und so viel Zeit und Energie gespart werden.  

Fazit: Den Wald vor lauter Bäumen sehen 

Wie trifft man als Bauherr im Dickicht aus weltpolitischen Großereignissen, immer neuen Gesetzesverordnungen, technologischen Errungenschaften und astronomischen Preissteigerungen verlässliche Entscheidungen zugunsten der Nachhaltigkeit? Die simple Antwort lautet: Mit möglichst viel Besonnenheit und klar definierten Werten. Zu verstehen, wie das eigene Bauvorhaben sich in die aktuelle Branchen- und Weltlage eingliedert, erfordert neben seriösen Geschäftspartnern vor allem Recherche und Flexibilität bei gleichzeitiger Klarheit über das eigene Wertesystem. Nicht umsonst zählen zur Definition von Nachhaltigkeit nicht nur ökologische Aspekte: Auch wirtschaftliche und persönliche Perspektiven sind essenziell.  

Erfreulich ist, dass Klima-Transparenz im Bausektor eine immer größere Rolle spielt, denn sie wird mittlerweile von Gesetzgebern genauso eingefordert wie von Investoren und privaten Auftraggebern. Das zeigt unter anderem der Green Deal der EU: Dieses Jahr stimmen die Mitgliedstaaten über die Einführung einer Corporate Sustainability Reporting Directive ab. Diese würde große Unternehmen dazu verpflichten, Berichte über die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten zu erstellen. Sie betrifft auch das Baugewerbe und soll es unter anderem Auftraggebern und anderen Stakeholdern erleichtern, informierte Entscheidungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen zu fällen.  

In der deutschen Sprache tauchte der Begriff der Nachhaltigkeit übrigens das erste Mal in der Forstwirtschaft auf: 1713 empfahl Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in einer forstwirtschaftlichen Abhandlung, immer nur so viele Bäume im Wald zu fällen, wie denn auch nachwachsen könnten. Die heutige Lage mag etwas komplexer scheinen als das einfache Zählen von Bäumen, aber die Aufgabe bleibt doch ganz ähnlich: den Lebensraum für eine gesunde und grüne Zukunft zu bewahren. 

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